Geschichte Schlori

Ricklingen ist der älteste der insgesamt 13 Ortsteile von Garbsen und hat knapp 3000 Einwohner.

Die Bezeichnung Schloß Ricklingens stammt von der ehemaligen Wasserburg auf der heute noch „Burgfeld“ genannten Flur.

Um 1225 erbaute Graf Konrad II. von Roden die Burg, die schon 1299 während einer Fehde belagert wurde; 1333 gelangte sie an die Herzöge Otto und Wilhelm zu Braunschweig-Lüneburg und wurde fortan von diesen mehrfach verpfändet. Dabei scheinen ihre Besitzer von hier aus Raubzüge unternommen zu haben, besonders auf die Schiffer der Leine in Richtung Bremen, weshalb zwischen diesen Städten und den räuberischen Rittern um 1375 förmliche Verträge abgeschlossen wurden. Die noch heute zuweilen gehörte Warnung wenn das Schlimmste noch nicht überstanden ist: „Wir sind noch nicht an Ricklingen vorbei!“ hat hier ihren Ursprung.

Sei es um den Landfrieden zu sichern oder – nach anderer Überlieferung – um den Gehorsamsbruch des in die Reichsacht gefallenen Ritters Dietrich von Mandelsloh wegen der Pfandeinlösung der Vogtei Lauenrode und deren Weiterverpfändung an die Stadt Hannover zu ahnden, zog Herzog Albrecht von Sachsen 1385 mit 300 Soldaten vor die Burg. Ritter Dietrich hatte zwar nur 30 Ricklinger entgegenzusetzen, verfügte aber über Bliden ( Bliden sind eineinhalb Zentner schwere Wurfgeschosse, die mit Katapulten auf die Angreifer geschossen wurden) Eines dieser Geschosse traf Herzog Albrecht am Oberschenkel. Der Sage nach war es die tapfere Tochter des Ritters, Sofie v. Mandelsoh, die den Schuss abgab. Der Herzog stürzte vom Pferd, verletzte sich schwer und starb wenig später in Neustadt.

An seinen Tod erinnert das auf dem Ricklinger Blidenberg errichtete Albrechtdenkmal, an dem die angebliche Tatwaffe mit einem Eisenband befestigt ist. Dennoch wurde die Wasserburg eingenommen und zerstört.

Wenige Jahre später kam Ricklingen wieder in den Besitz der Welfen. Dabei stieg der Ort erst zur Vogtei und später zum Amt auf und hatte einen Bezirk zu verwalten, der ungefähr dem heutigen Stadtgebiet von Garbsen entspricht.

Nahe der zerstörten Burg entstand das Amtshaus, das sogenannte Schloss, nach dem Schloß Ricklingen später benannt wurde, um es vom anderen Ricklingen südlich von Hannover zu unterscheiden. 1751 wurde das Amtshaus von Grund auf umgebaut. Heute ist es in Privatbesitz.

Das heutige Schloss mit dem Amtshof, bis 1852 Sitz des Amtsvogtes, wurde im 18. Jh. erbaut und mit dem Park in romantisch-sentimentalem Stil umgeben. Der letzte hannoveranische Kriegsminister, General von Brandis, wohnte hier. Er wurde vor der 1694 vom frommen und tatkräftigen Amtmann Johann Georg Voigt gestifteten barocken Kirche begraben, in die noch Reste der alten Burg verbaut waren.

Das Geld hatte der Amtmann der Sage nach aus einem Schatz, den er im Keller des Amtmannhofes gefunden hatte, wo ihn die Mandelsloher (Raub-) Ritter versteckt haben sollen. Obwohl Ricklingen Sitz der Amtsverwaltung war, hatte es bis dahin nicht einmal eine Kapelle. Die Ricklinger mussten zum Gottesdienst in das 3 Kilometer entfernte Horst laufen.

Das äußerlich schlichte Bauwerk der Kirche überrascht durch die italienisch beeinflusste üppig barocke Ausgestaltung des Innenraums mit dem für seine Zeit einzigartigen Kanzelaltar mit Orgel; eine Einheit, die nicht nur als Kunstwerk beeindruckt, sondern aufs Schönste den lutherischen Gedanken von der Verkündigung als Kernstück des Gottesdienstes erlebbar macht. Leider sind die Namen der Architekten und Kunsthandwerker nicht überliefert, aber man darf wohl zumindest den Einfluß der damals in Hannover tätigen italienischen Baumeister Crotogino und Prinetti vermuten.

Das Schloß diente ab dem 17. Jh. verschiedenen Zwecken und wurde während des 1. und 2. Weltkrieges unter anderem. als Lazarett genutzt. Nachdem es zum Abriss freigegeben wurde, diente es nach einem Umbau ca. 30 Jahre lang als Auktionshaus. Seit dem Jahr 2002 wird das Objekt durch seine neuen Besitzer aufwendig kernsaniert.

Das Amt Ricklingen war sehr arm, denn die kargen Sandböden und die vielen Moore boten den Bauern schlechte Bedingungen. Nach dem Amt Rehburg war es das zweitärmste im ganzen Fürstentum Calenberg, zu dem es mittlerweile gehörte. In einer alten Beschreibung heißt es,:"das Amt hat der Dornen und unfruchtbaren holtzes so viel, dass es gleich einer Solitude (=Einsamkeit, verlasse Gegend) ist." So blieben das Amtshaus und die barocke Kirche lange Zeit die einzigen prachtvollen Gebäude. Schloß Ricklingen verlor an Bedeutung, als um 1830 der Bremer Heerweg im Bereich von Hannover nach Neustadt fertig gestellt wurde. Der alte Weg durch Ricklingen an der Leine entlang wurde aufgegeben. In der Mitte des 19. Jahrhunderts ging die Amtsverwaltung schließlich an Neustadt über und das Amt Ricklingen wurde aufgelöst. Seit der Verwaltungsreform 1974 ist Schloß Ricklingen ein Stadtteil von Garbsen.

Heute handelt es sich um ein malerisches Örtchen mit schmucken Bauernhäusern, das ein ganz besonderes Flair besitzt.